Adria 2008

11.01.11

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Mein kleiner Ausflug an die Adria im März 2008

 

Die Strecke nach Österreich ist schnell geschafft. Eine ziemlich langweilige Strecke, denn erst lang nachdem bei Passau die österreichische Grenze passiert ist, bekommt man die Alpen zu Gesicht. Dort liegt noch einiges an Schnee – für meine Begriffe jedenfalls.

Die Fahrt geht durch viele Tunnel, wegen des Schneefalls entscheide ich mich für die mautpflichtige Autobahnstrecke statt der kostenlosen Landstraßen. Aber lohnend ist das ja ohnehin nur bei guter Sicht:
Den östlichen Teil Sloweniens durchfahre ich auf einer recht stark befahrenen Landstraße, hinter der kroatischen Grenze beginnt dann eine teure, aber sehr gute Autobahn.
Kurz hinter Zagreb gerate ich in ein regelrechtes Schneechaos – vor einigen Tagen meldete der Wetterbericht noch regelrecht sommerliche Temperaturen für die Gegend und jetzt das! Zum Glück ist die mittlerweile fast leere Autobahn ganz gut geräumt, bis sie kurz vor Zadar plötzlich geschlossen ist – kassiert wird aber trotzdem. Im erstbesten Dorf sehe ich gleich ein erstbestes Schild „Sobe“ und habe Glück: Es ist noch jemand wach, der mir ein Zimmer fertig macht und auch noch ein kleines Abendessen für mich hinstellt.

Am nächsten Morgen ist mein Auto fast im Schnee verschwunden. Der Wirt mahnt zur Vorsicht und empfiehlt, doch noch eine Nacht zu warten, bis das Wetter besser ist.
Nach dem Frühstück mit herrlichem Schinken und Käse fahre ich aber los. Die Straße ist vollkommen schneebedeckt und der Wind wird so stark, daß ich Angst um meine Scheiben bekomme. Manche Straßen sind von der Polizei geschlossen und von der schönen kroatischen Landschaft ist kaum etwas zu sehen. Im Grunde genommen hat aber auch dieses Szenario seinen Reiz. Je näher ich der Küste komme, desto besser wird die Sicht – schöne Ausblicke tun sich auf. Unangenehm wird es nur, wenn ich das Auto verlasse. Der Wind bläst unerbittlich und peitscht Regen und Schneematsch ins Gesicht.
An der Küste ist es 15° wärmer als in den Bergen. Zadar gefällt mir auf Anhieb - die Altstadt mit ihren Marmorgassen ist für einen Spaziergang mit Burek – Snack wie geschaffen.

Die Lust an einer Balkanüberquerung ist mir nach der Rutschpartie in den Bergen vergangen. Möglich wäre eine Fahrt entlang der Küste in Richtung Süden, doch müßte ich, wenn ich die Bergstraßen meiden will, den gleichen Weg zurückfahren. Dieser Gedanken frustriert mich, so nehme ich lieber die Küstenstraße in Richtung Norden.
Der Wind scheint immer stärker zu werden. Die Straße ist in weiten Abschnitten für Lastwagen und Busse gesperrt, alles mögliche liegt auf der Fahrbahn. Äste, Steine, Schneereste – anscheinend ist auch ein Schneesturm über die Küste hinweggefegt – einmal überfahre ich auch eine durchgerissene Hochspannungsleitung. Immer wenn ich anhalte, um die herrliche Landschaft zu bestaunen, wird das Auto vom Wind regelrecht angehoben, die Außenspiegel klappen hin und her. Doch trotz des Sturms ist die Fahrt ein Genuß, denn die Adriaküste ist nunmal einmalig schön. Auf dem Weg nehme ich einen dicken Anhalter mit. Leider spricht er nur Kroatisch und riecht wie ein voller Aschenbecher. Da mir aber nur alle halbe Stunde ein Auto begegnet war und die Busse nicht fahren, wäre es gemein gewesen, ihn einfach stehen zulassen.
In Senj entschließe ich mich zu bleiben. Am Wasser stehen geparkte Reisebusse und werden vom Wind hin und her geschaukelt, das Wasser klatscht immer wieder auf die Straße. Nach kurzem Fragen finde ich ein kleines Zimmer für die Nacht. Die meisten Quartiere sind noch eingemottet, so dauert es etwas, bis ich ein Zimmer bei einer sehr netten Familie gefunden habe.

Am nächsten Morgen hat der Sturm etwas nachgelassen und ich fahre weiter die atemberaubende Küste hinauf.
An einer Ecke hält mich ein Polizist an. „Guten Tag. Sprechen Sie Kroatisch? Nein? Hier ist 60, Sie sind 99 gefahren. Das macht 600 Kuna.“ Nachdem ich ihm freundlich klargemacht hatte, daß mir das zu teuer ist, fängt er an, Fragen zu meiner Reise zu stellen. „Na gut, Sie sind Tourist. Zahlen Sie das Minimum – 300 Kuna. Haben Sie soviel?“ Nein, habe ich nicht! Aber natürlich nimmt er auch 200 Kuna und 15€. Obwohl ich eine vorgedruckte Quittung erhalte, werde ich den Verdacht nicht los, daß der Vorwurf nicht ganz stimmte. Aber nicht ärgern, nur wundern und vor allem weiterfahren! „Aber nicht so schnell, heute ist 10km von hier ein Mann gestorben und es gibt viele Radarkontrollen!“ Schönen Dank auch! Gesehen habe ich davon keine einzige mehr.

In Rijeka mische ich mich unter die flanierenden Menschen, schreibe Postkarten und sitze dann doch bald wieder im Auto, durchfahre Istrien und erreiche gegen Abend das schöne Koper. In der Tourist-Information bekomme ich ein Hostel empfohlen, das mitten im Zentrum liegt. Dort darf ich sogar mein Auto parken. Der Ort gefällt mir auf Anhieb und ich zahle gleich für 3 Nächte. Das Auto hat erstmal Pause, in der Stadt fühle ich mich richtig wohl. Ich habe meine Ruhe und bin doch nicht am Ende der Welt, genau so einen Ort hatte ich mir gewünscht. Das hübsche Zentrum kann man sich schnell erwandern. In den folgenden Tagen mache ich noch kurze Ausflüge nach Triest und ins kroatische Porec. Nach Triest komme ich an einem Sonntag. Die Plätze vor den imposanten Gebäuden sind voller Menschen, Familien auf Sonntagsspaziergang. Sehr angenehm.

In Porec ist es das genaue Gegenteil, denn außerhalb der Urlaubssaison scheint der Ort fast leer zu sein. Kaum Touristen zu treffen ist mir nur recht. Bereits für die Fahrt auf den Nebenstraßen durch die vielen kleinen Dörfer hat sich die Fahrt gelohnt.

Meiner Ansicht nach viel zu früh trete ich den „verlängerten Rückweg“ über kostenlose Landstraßen an – die slowenischen Wintersportorte sind ziemlich verwaist. In den Bergen liegt noch viel Schnee und ein noch geschlossener Paß läßt mich einen kleinen Umweg über Italien fahren.

Auf der Fahrt durch Österreich lande ich mitten im Wintersport. Besonders intelligent sehe ich mit meinen Sommerschuhen und der dünnen Jacke zwischen den Skiläufern nicht aus, doch schön sind Obertauern & Co auf jeden Fall. Ich bin schon gespannt darauf, wie diese Orte im Sommer aussehen, wenn hier alles geschlossen ist, dafür aber in Kroatien der Bär steppt.

Zufrieden mit meiner Tour, die so anders lief als ich es mir vorgestellt hatte, kehre ich nach Hause zurück.


 

 

 

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Stand: 16.10.10