Mein kleiner Ausflug an die Adria im März 2008
Die Strecke nach Österreich ist
schnell geschafft. Eine ziemlich langweilige Strecke, denn erst lang nachdem
bei Passau die österreichische Grenze passiert ist, bekommt man die Alpen zu
Gesicht. Dort liegt noch einiges an Schnee – für meine Begriffe jedenfalls.
Die Fahrt geht durch viele
Tunnel, wegen des Schneefalls entscheide ich mich für die mautpflichtige
Autobahnstrecke statt der kostenlosen Landstraßen. Aber lohnend ist das ja
ohnehin nur bei guter Sicht:
Den östlichen Teil Sloweniens durchfahre ich auf einer recht stark
befahrenen Landstraße, hinter der kroatischen Grenze beginnt dann eine
teure, aber sehr gute Autobahn.
Kurz hinter Zagreb gerate ich in ein regelrechtes Schneechaos – vor einigen
Tagen meldete der Wetterbericht noch regelrecht sommerliche Temperaturen für
die Gegend und jetzt das! Zum Glück ist die mittlerweile fast leere Autobahn
ganz gut geräumt, bis sie kurz vor Zadar plötzlich geschlossen ist –
kassiert wird aber trotzdem. Im erstbesten Dorf sehe ich gleich ein
erstbestes Schild „Sobe“ und habe Glück: Es ist noch jemand wach, der mir
ein Zimmer fertig macht und auch noch ein kleines Abendessen für mich
hinstellt.
Am nächsten Morgen ist mein Auto
fast im Schnee verschwunden. Der Wirt mahnt zur Vorsicht und empfiehlt, doch
noch eine Nacht zu warten, bis das Wetter besser ist.
Nach dem Frühstück mit herrlichem Schinken und Käse fahre ich aber los. Die
Straße ist vollkommen schneebedeckt und der Wind wird so stark, daß ich
Angst um meine Scheiben bekomme. Manche Straßen sind von der Polizei
geschlossen und von der schönen kroatischen Landschaft ist kaum etwas zu
sehen. Im Grunde genommen hat aber auch dieses Szenario seinen Reiz. Je
näher ich der Küste komme, desto besser wird die Sicht – schöne Ausblicke
tun sich auf. Unangenehm wird es nur, wenn ich das Auto verlasse. Der Wind
bläst unerbittlich und peitscht Regen und Schneematsch ins Gesicht.
An der Küste ist es 15° wärmer als in den Bergen. Zadar gefällt mir auf
Anhieb - die Altstadt mit ihren Marmorgassen ist für einen Spaziergang mit
Burek – Snack wie geschaffen.
Die Lust an einer
Balkanüberquerung ist mir nach der Rutschpartie in den Bergen vergangen.
Möglich wäre eine Fahrt entlang der Küste in Richtung Süden, doch müßte ich,
wenn ich die Bergstraßen meiden will, den gleichen Weg zurückfahren. Dieser
Gedanken frustriert mich, so nehme ich lieber die Küstenstraße in Richtung
Norden.
Der Wind scheint immer stärker zu werden. Die Straße ist in weiten
Abschnitten für Lastwagen und Busse gesperrt, alles mögliche liegt auf der
Fahrbahn. Äste, Steine, Schneereste – anscheinend ist auch ein Schneesturm
über die Küste hinweggefegt – einmal überfahre ich auch eine durchgerissene
Hochspannungsleitung. Immer wenn ich anhalte, um die herrliche Landschaft zu
bestaunen, wird das Auto vom Wind regelrecht angehoben, die Außenspiegel
klappen hin und her. Doch trotz des Sturms ist die Fahrt ein Genuß, denn die
Adriaküste ist nunmal einmalig schön. Auf dem Weg nehme ich einen dicken
Anhalter mit. Leider spricht er nur Kroatisch und riecht wie ein voller
Aschenbecher. Da mir aber nur alle halbe Stunde ein Auto begegnet war und
die Busse nicht fahren, wäre es gemein gewesen, ihn einfach stehen zulassen.
In Senj entschließe ich mich zu bleiben. Am Wasser stehen geparkte
Reisebusse und werden vom Wind hin und her geschaukelt, das Wasser klatscht
immer wieder auf die Straße. Nach kurzem Fragen finde ich ein kleines Zimmer
für die Nacht. Die meisten Quartiere sind noch eingemottet, so dauert es
etwas, bis ich ein Zimmer bei einer sehr netten Familie gefunden habe.
Am nächsten Morgen hat der Sturm
etwas nachgelassen und ich fahre weiter die atemberaubende Küste hinauf.
An einer Ecke hält mich ein Polizist an. „Guten Tag. Sprechen Sie Kroatisch?
Nein? Hier ist 60, Sie sind 99 gefahren. Das macht 600 Kuna.“ Nachdem ich
ihm freundlich klargemacht hatte, daß mir das zu teuer ist, fängt er an,
Fragen zu meiner Reise zu stellen. „Na gut, Sie sind Tourist. Zahlen Sie das
Minimum – 300 Kuna. Haben Sie soviel?“ Nein, habe ich nicht! Aber natürlich
nimmt er auch 200 Kuna und 15€. Obwohl ich eine vorgedruckte Quittung
erhalte, werde ich den Verdacht nicht los, daß der Vorwurf nicht ganz
stimmte. Aber nicht ärgern, nur wundern und vor allem weiterfahren! „Aber
nicht so schnell, heute ist 10km von hier ein Mann gestorben und es gibt
viele Radarkontrollen!“ Schönen Dank auch! Gesehen habe ich davon keine
einzige mehr.
In Rijeka mische ich mich unter
die flanierenden Menschen, schreibe Postkarten und sitze dann doch bald
wieder im Auto, durchfahre Istrien und erreiche gegen Abend das schöne Koper.
In der Tourist-Information bekomme ich ein Hostel empfohlen, das mitten im
Zentrum liegt. Dort darf ich sogar mein Auto parken. Der Ort gefällt mir auf
Anhieb und ich zahle gleich für 3 Nächte. Das Auto hat erstmal Pause, in der
Stadt fühle ich mich richtig wohl. Ich habe meine Ruhe und bin doch nicht am
Ende der Welt, genau so einen Ort hatte ich mir gewünscht. Das hübsche
Zentrum kann man sich schnell erwandern. In den folgenden Tagen mache ich
noch kurze Ausflüge nach Triest und ins kroatische Porec. Nach Triest komme
ich an einem Sonntag. Die Plätze vor den imposanten Gebäuden sind voller
Menschen, Familien auf Sonntagsspaziergang. Sehr angenehm.
In Porec ist es das genaue
Gegenteil, denn außerhalb der Urlaubssaison scheint der Ort fast leer zu
sein. Kaum Touristen zu treffen ist mir nur recht. Bereits für die Fahrt auf
den Nebenstraßen durch die vielen kleinen Dörfer hat sich die Fahrt gelohnt.
Meiner Ansicht nach viel zu früh
trete ich den „verlängerten Rückweg“ über kostenlose Landstraßen an – die
slowenischen Wintersportorte sind ziemlich verwaist. In den Bergen liegt
noch viel Schnee und ein noch geschlossener Paß läßt mich einen kleinen
Umweg über Italien fahren.
Auf der Fahrt durch Österreich
lande ich mitten im Wintersport. Besonders intelligent sehe ich mit meinen
Sommerschuhen und der dünnen Jacke zwischen den Skiläufern nicht aus, doch
schön sind Obertauern & Co auf jeden Fall. Ich bin schon gespannt darauf,
wie diese Orte im Sommer aussehen, wenn hier alles geschlossen ist, dafür
aber in Kroatien der Bär steppt.
Zufrieden mit meiner Tour, die so
anders lief als ich es mir vorgestellt hatte, kehre ich nach Hause zurück.