Als wir am Kieler Ostuferhafen ankommen, ist schon
fast der ganze Parkplatz voll. Bei meiner letzten Seereise ins Baltikum
waren vielleicht 15 Pkw auf der Fähre – nun sind es dutzende, dazu noch
Wohnwagen, Motorradgruppen und etliche Radfahrer. Am Check-in ist
einiges los.
In einer endlosen Karawane fahren wir aufs Schiff und machen es uns
anschließend in der Pullmann Lounge bequem.
Schon auf dem Schiff ist man in Litauen angekommen – Geld, Musik, Bier
... alles ist hier litauisch.
Nach einer entspannten Nacht, die nur durch ein Handy unterbrochen
wurde, das auf meinen Bauch fiel, genießen wir das üppige Frühstück an
Bord. Erst am Abend kommen wir in Klaipeda an. Zum ersten Mal ohne
Paßkontrolle geht es nach Litauen hinein.
Nach dem Volltanken fahren wir etwas durch die gepflegte Innenstadt,
bevor wir uns nördlich der Stadt einen Zeltplatz suchen. Hinter einem
Knick werden wir am Rand eines Feldes fündig und freuen uns bei einer
Flasche Wein darüber, daß wir da sind.
Klaipeda wurde in den letzten Jahren ordentlich herausgeputzt und ist
voll mit Touristen. Die früher fast leeren Straßen sind gut ausgelastet.
Schön zu sehen, wie das Land sich entwickelt hat. Später fahren wir in
Richtung Siauliai, wo wir im guten alten Hotel Siauliai absteigen. Der
Preis ist verglichen mit meinem letzten Aufenthalt recht hoch, doch
bekommen wir dafür ein chic renoviertes Zimmer mit tollem Bad.
Abends gehen wir gemeinsam in die Stadt, wo flaniert wird was das Zeug
hält.
Am nächsten Tag wollen wir die russische Grenze in
Angriff nehmen. Die Landstraße Richtung Tilsit ist schnurgerade und
langweilig, die Orte auf dem Weg eher weniger sehenswert. An der Grenze
ist nichts los. Auf litauischer Seite mache ich den Fehler das Auto zu
verlassen und jemanden zu suchen, der die Pässe begutachtet. Das
verärgert den sehr unfreundlichen Litauer sehr – dann will er nicht
kapieren, daß ich kein Russisch verstehe und schreit und schreit... Als
ich das Wort „Maschina“ heraushöre setze ich mich ins Auto und schlage
die Tür zu. Zum Glück kommen wir kurz darauf nach ein paar gehaltlosen
Fragen auf Blödi-Englisch schnell weiter und fahren über die alte
Luisenbrücke hinüber nach Rußland. An den Lastwagen fahren wir vorbei
und reihen uns hinter den wartenden Pkw ein. Migrationskarten werden zum
Ausfüllen ins Auto gereicht, die Anspannung steht uns beiden ins Gesicht
geschrieben, auf russischer Seite sehen wir nichts als heruntergekommene
Plattenbauten – das wirkt nicht sehr einladend. Nach gut anderthalb
Stunde sind wir an der Reihe, eine Frau Soldatin, die sogar lächelt,
guckt kurz in den randvollen Kofferraum, nimmt Pässe und Fahrzeugpapiere
und bringt sie uns kurz darauf zurück – sie sind gestempelt. Nun muß ich
zum Zoll, die Dame zeigt mir das Büdchen. Leider ist das Formular nur
auf Russisch, Englisch spricht hier niemand doch eine hübsche Zöllnerin
kommt heraus und diktiert mir geduldig was ich eintragen muß. Das
Formular verschwindet dann wohl für alle Ewigkeit im Aktenschrank. An
einem anderen Büdchen bekomme ich ein Kfz Einfuhrdokument für 14 Tage.
Sobald ich dieses in den Händen halte, öffnet ein Soldat das große
Eisentor und wir fahren nach Tilsit hinein. Das ganze Prozedere hat
vielleicht 20 Minuten gedauert und war absolut problemlos und freundlich
– also haben wir uns ganz umsonst Sorgen gemacht.
Die Tilsiter Straßen sind eine einzige Aneinanderreihung von
Schlaglöchern und Bodenwellen, das Kopfsteinpflaster hat schon bessere
Tage erlebt. Dazu regnet es noch ordentlich. Wir suchen uns ein nettes
Zimmer und sehen uns erstmal vom Auto aus die Stadt an - später parken
wir es rotzfrech vor dem besten Hotel am Ort und spazieren durchs
Zentrum. Etwas trist, doch ganz nett ist es hier schon.
Abends essen wir uns an einer Bude die durch und durch russische
Speisekarte. Nebenan kocht jemand die leckeren Sachen auf einem
qualmenden Feuer. Da fühlen wir uns wohl!
Ziemlich auf dem direkten Weg fahren wir in Richtung Osten. Wir beide
sind etwas traurig, daß unser Rußlandausflug nun zu Ende ist. An der
Grenze ist wenig los und auch hier werden wir korrekt behandelt und sind
in weniger als 20 Minuten durch. Sehr angenehm!
Nach dem Mittagessen in einem Feld, schlängeln wir uns durch den dichten
Verkehr bei Kaunas und rollen am späten Nachmittag in Vilnius ein, wo
wir in einer fast neuen Jugendherberge Unterkunft finden. Die Stadt ist
sehr hübsch und wohl auf dem besten Weg ein Touristenmoloch zu werden,
wie es zum Beispiel Prag bereits ist. Doch noch ist Vilnius auch im
Sommer genießbar. Der nächste Tag wird zur Entspannung genutzt. Da wir
beide die Stadt schon aus dem Blickwinkel des Sightseeingtouristen
kennen, macht das Gammeln richtig Spaß. Gegen Abend fahren wir nach
Grutas an der weißrussischen Grenze und schlagen dort unser Zelt auf.
Wie schon vor einigen Jahren sind hier bereits andere Wildcamper am See.
Wir kochen uns die Pfifferlinge, die wir bei einer Marktfrau erstanden
haben und genießen den schönen Abend.
Bevor wir Litauen in Richtung Polen verlassen,
drehen wir noch eine Runde durch den Grutas Leninpark, wo einige Statuen
aus Sowjetzeiten stehen. Anders als in Rußland wurden diese in den
baltischen Staaten meist entfernt. Hier kann man sie noch bewundern.
Am Grenzübergang Ogrodniki/Lazdijai ist keine Polizei in Sicht. Vor
nicht allzu langer Zeit wurde hier noch penibel kontrolliert und
gestempelt, nun hat auch hier Schengen Einzug gehalten. Weit kommen wir
an diesem Tag nicht und schlagen unser Zelt an einem kleinen See bei
Augustow auf. Dabei wählen wir zum Glück eine geschützte Ecke aus, denn
die große Wiese ist der Partyplatz der Dorfjugend. Am Abend gibt es
Lagerfeuer, durchdrehende Autoreifen und sehr viel Bier.
Die Autofahrt durch Polen ist alles andere als
spaßig. Überall sind Baustellen an den völlig überlasteten Landstraßen.
Am Ende des Tages haben wir 10 Stunden im Auto gesessen und gerade mal
500km geschafft. Wir fragen einen Dorfbewohner, ob wir am Waldrand in
der Nähe seines Hauses zelten dürfen. Er ist sofort einverstanden und
wir beziehen den schönen Platz. Nur kläffende Köter sind eine Plage.
Am Tag darauf ist die einzige Hürde die Fahrt durch Breslau – das Navi
ist dabei sehr hilfreich und nach Verlassen der Stadt bekommen wir
endlich wieder mal Autobahn unter die Räder. Der Rest der Strecke ist
problemlos und sehr angenehm zu fahren.
Für uns beide wird es nicht die letzte Fahrt nach
Rußland und ins Baltikum gewesen sein. Ganz im Gegenteil: Die Reise hat
neue Interessen geweckt und alte wieder ins Gedächtnis gerückt.
Infos
Litauen
Papierkram:
Personalausweis sowie nationale Zulassung und
nationaler Führerschein sind ausreichend.
Anreise:
Die Fähre braucht von Kiel aus ca. 24 Stunden nach
Klaipeda und ist nicht teuer. Die Fahrt ist auch von anderen deutschen
Häfen möglich.
Den Landweg durch Polen würde ich meiden – viele Radarkontrollen,
Baustellen, kaum Autobahnen und viel zu viel Verkehr. Die Fähre ist
damit nicht nur finanziell interessant.
Währung:
Litauische Litas – Geld bekommt man sehr
zuverlässig an einem der zahlreichen Geldautomaten. Euro werden im
Regelfall beim Bezahlen nicht angenommen.
Straßen:
In den letzten Jahren hat der Verkehr stark
zugenommen, doch das Straßennetz ist immer noch gut, auch wenn es
manchmal etwas holpert und die Nebenstraßen sind immer noch recht ruhig.
Die Ausschilderung ist recht gut.
Tanken:
95 Oktan Bleifrei, Diesel und Autogas (Gaz/LPG/Dujos)
sind überall erhältlich. Beim Autogas Tanken darf man sich nicht selbst
bedienen und benötigt den Dish Adapter. Meist mußte ich vor dem Tanken
die Motorhaube öffnen.
Schlafen:
Wild Zelten ist kein Problem. Ansonsten gibt es
zahlreiche Unterkünfte in vielen Kategorien.
Rußland (Königsberger Gebiet):
Papierkram:
Für die Einreise ist ein Reisepaß und ein Visum
erforderlich, das man in Deutschland problemlos über einen Visadienst
beschaffen kann. Kosten: ca. 60€ bis open end.
An der Grenze muß eine Migrationskarte ausgefüllt werden, von der ein
Abschnitt im Reisepaß verbleibt. Diesen darf man auf keinen Fall
verlieren!
Hält man sich länger als 3 Tage im Land auf, sollte
man sich anmelden, was auf der Migrationskarte vermerkt wird. Dies
übernimmt im Regelfall das Hotel. Ob man von dieser Pflicht befreit ist,
wenn man sich nie länger als 3 Tage an einem Ort aufhält konnte ich
nicht zweifelsfrei herausfinden.
In unserem Fall beschaffte das Hotel sogar kostenlos eine Anmeldung, die
über unseren Aufenthalt im Hotel hinaus gültig war.
Für das Auto ist die nationale Zulassung
ausreichend. Als ich an der Grenze den internationalen Zulassungsschein
vorlegte, sorgte dieser eher für Verwirrung.
Man muß das Auto auf der Zollerklärung angeben. An einem anderen Büdchen
bekam ich kostenlos eine Einfuhrgenehmigung, die 14 Tage gültig war.
Dazu mußte ich noch den Kilometerstand sowie eine Adresse angeben, wobei
ich auf die Adresse im Fahrzeugschein zeigte. Dieses Dokument wird bei
Verkehrskontrollen verlangt und muß bei der Ausreise wieder abgegeben
werden. Auf keinen Fall verlieren!
Wenn man sein Auto auf Mamis Namen zugelassen hat,
sollte man sich überlegen beim ADAC eine Vollmacht ausfüllen und
beglaubigen zu lassen. In meinem Fall wurde sie nicht verlangt.
Nach meinem Kenntnisstand ist ein Führerschein mit
russischer Übersetzung erforderlich. Dem genügt der internationale
Führerschein, den es bei der Führerscheinstelle am Hauptwohnsitz für ca.
15€ (3 Jahre gültig) zu kaufen gibt. Hierfür ist ein Lichtbild
erforderlich.
Immerwieder habe ich gelesen, daß an der grenze
eine russische Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden muß, unser
Visadienst meinte, die Grüne Versicherungskarte sei Pflicht (Rußland ist
gar kein Mitglied des entsprechenden Abkommens). Auf unserer Reise
interessierte sich niemand für das Thema Versicherung.
Tanken
Die meisten Tankstellen bieten 80, 92 und 95 Oktan,
sowie Diesel an. Seltener auch 98 Oktan oder Autogas (Газ / LPG). Die
Preise betragen etwas mehr als die Hälfte von den deutschen, wobei sich
98 Oktan Benzin preislich ziemlich abhebt. Beim Autogas Tanken darf man
sich nicht selbst bedienen und benötigt den Dish Adapter.
Es ist zu bedenken, daß das russische Benzin bleihaltig sein könnte.
Straßen:
Innerhalb der Ortschaften ist der Straßenzustand
oft katastrophal (kaputtes Kopfsteinpflaster, tiefe Schlaglöcher). Die
Landstraßen sind OK und wenig befahren. Augen auf – für Schlaglöcher
gibt es hier keine Warnschilder.
Es empfiehlt sich, sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen und
besonders die Stopschilder vor den (meist unbeschrankten!)
Bahnübergängen zu halten.
Die Ausschilderung ist außerhalb der Ortschaften
gut, innerorts gibt es jedoch fast nie Fernwegweiser. Nahezu alle
Schilder sind nur im kyrillischen Alphabet geschrieben. Dies sollte man
vorher lernen – auch wenn es nervt, die Umschrift hat man schnell drauf
und es hilft ungemein.
Geld:
Währung ist der Rubel. Man bekommt problemlos Geld
am Automaten. Eine Devisenerklärung wird bei der Einreise nur noch für
große Beträge verlangt. Euro werden im Regelfall beim Bezahlen nicht
angenommen. In den Heimen für Gruppentouristen mag das anders sein.
Schlafen:
Im Königsberger Gebiet gibt es so viel Brachland,
daß es zum Zelten förmlich einlädt. Da das Wetter nicht so gut war,
freuten wir uns aber über unser Zimmer. Der Preis lag bei ca. 30€ pro
Nacht. Reserviert hatten wir nicht.
Polen:
Papierkram:
Personalausweis sowie nationale Zulassung und
nationaler Führerschein sind ausreichend.
Angeblich hat man seit kurzem mit empfindlichen Bußen zu rechnen, wenn
man mit einem fremden Auto unterwegs ist und bei einer Polizeikontrolle
keine entsprechende Vollmacht vorweisen kann.
Schlafen:
Wir zelteten wild und hatten dabei keinerlei Ärger.
Benzin:
95, 98 Oktan Bleifrei, Diesel und Autogas (Gaz/LPG)
sind überall erhältlich. Beim Autogas Tanken darf man sich nicht selbst
bedienen und benötigt den Dish Adapter.