|









Für Fragen, Lob, Tadel
info@untermrad.de
|
|
Unterwegs mit dem Wohnwagen zwischen
Kaliningrad und St. Petersburg
|
Hört man den Namen Russland, denkt
man an oft an ein fernes Land, eine andere Welt, doch wer sich auf den
Weg dorthin begibt, merkt schnell, dass dieses riesige Land fast in
deutscher Nachbarschaft beginnt.
Erst am Nachmittag fahren wir in Berlin los, die Strecke durch Polen ist
immer noch weit von den Vorzügen einer Autobahn entfernt, zusätzlich
bremst ein heftiges Unwetter die Fahrt, doch stehen wir um 1 Uhr morgens
bereits am Grenzübergang Mamonovo ins Kaliningrader Gebiet,
Sonderwirtschaftszone und westlichste Region Russlands. Zum Glück ist zu
dieser Zeit an der Grenze kaum Verkehr. Die Abfertigung ist etwas
aufwendig, die Grenzer jedoch sehr nett und bemüht, nach nicht einmal
einer Stunde rollen wir ins nächtliche Russland hinein. Die Suche nach
einem Übernachtungsplatz ist uns im Dunklen natürlich lästig und wir
verbringen die restliche Nacht auf der nächstbesten befahrbaren Wiese.
Am Morgen ist es kühl und feucht,
aber immerhin stürmt und regnet es nicht mehr. Durch viele kleinere
Siedlungen fahren wir nach Königsberg und parken neben dem traurigen
Haus der Räte, Bauruine und wohl einer der besten Orientierungspunkte in
der Stadt. Man sieht es von fern und zur Not kennt wohl jeder das „Dom
Sovjetov“. Ersteinmal wollen wir den wiederaufgebauten Dom besichtigen,
doch ist dies wieder nur äußerlich möglich. Um das Innere zu sehen,
müssten wir eine Veranstaltung besuchen. Das Geld investieren wir jedoch
lieber in ein fettiges russisches Essen in einem der Konsumtempel der
Stadt. Teure, moderne Einkaufszentren gibt es hier direkt neben den
verfallenden Plattenbauten, die immer noch die Stadt dominieren,
dazwischen kleine Billigmärkte.
Am Nachmittag fahren wir weiter in
die Nähe von Cranz und finden einen schönen Stellplatz direkt an der
Steilküste. Neben uns sind schon einige einheimische Wildcamper
unterwegs. Manche haben einen modernen Caravan, Jetski und Quad, auch
ein neuer Geländewagen wird auf dem Strand ausprobiert. Andere sind mit
Zelt und rostigem Auto angereist.
 |
 |
Am nächsten Tag sehen wir uns die
Küste etwas genauer an. Das Ostseebad Rauschen ist auch heutzutage ein
schmucker Bade- und Kurort. Auch wenn die Stadt längst den Namen
Svetlogorsk trägt, ist „Rauschen“ keinesfalls ausgestorben, man liest es
häufig – allerdings in kyrillischen Buchstaben.
Nachdem uns bereits in Königsberg die Preise in den Läden Tränen in die
Augen getrieben hatten, stellen wir nun fest, dass es auf dem flachen
Land nicht anders ist. Wir fragen uns ernsthaft, wie die Einheimischen
ihre Ernährung finanzieren, da sie ja schließlich auch in den kleinen
Läden einkaufen. Man kann ja schließlich nicht alles selbst anbauen.
Für die Fahrt nach Pillau braucht
man angeblich eine Genehmigung, die wir nicht haben, doch es hält uns
niemand auf. Außer Militär scheint es dort auch nichts zu geben, dazu
regnet es in Strömen.
Als wir wieder beim Wohnwagen angekommen sind, ist es zum Glück trocken
und wir verbringen einen schönen Abend an der Ostseeküste.
Möchte man von Königsberg aus gen
Osten fahren, folgt man der Beschilderung nach Moskau, kein Schild auf
dem Stadtring weist darauf hin, dass die nächste Metropole das
litauische Vilnius ist. Die Sonderwirtschaftszone Königsberg wirkt oft
wie ein verlorener Posten.
Auf dem Weg sehen wir uns Tilsit an und finden in der Nähe das Dorf, in
dem Stefanies Vorfahren gelebt haben. Die Siedlung sollte eigentlich
verlassen sein, doch wohnen in den Häusern, von denen die meisten noch
aus deutscher Zeit zu stammen scheinen, noch einige Leute. Einer von
ihnen beschallt das Dorf gerade mit russischer Technomusik.
Der Grenzübergang an der
Europastraße nach Vilnius ist seit meiner letzten Reise neu gebaut
worden und befindet sich nun außerhalb des Ortes. Die Schlange ist
wahnsinnig lang und bewegt sich keinen Meter. Nach einiger Zeit gibt uns
ein älterer Russe zu verstehen, dass wir direkt zur Kontrolle vorfahren
sollen. Mit ungutem Gefühl fahren wir an den mehreren hundert Metern
doppelspuriger Autoschlange vorbei, ordnen uns vorn ein und fahren als
erste auf den Zollhof, als die Ampel auf grün springt. Niemand beschwert
sich. Nun sehen wir uns auch dem Grund für die Lange Schlange gegenüber:
Die Damen an der Passkontrolle essen, trinken, tratschen, mein Pass wird
herumgezeigt, mehrfach durchgeblättert und man amüsiert sich daran, die
letzte freie Seite zu bestempeln. Stefanie wird mehrfach gebeten, die
Brille abzunehmen und ins Fensterchen zu gucken, wonach jedes Mal das
Visum wieder aufwendig gesucht wird. Der Zollbeamte liest alle
Autodokumente mit einer kleinen Lupe und korrigiert noch die falsch
eingetragenen Autonummern. Dann werden wir nach Litauen entlassen, wo
man sich nicht groß für uns interessiert. Jenseits der Grenze stehen
kilometerweit Lastwagen für den Grenzübertritt an.
Nach der Nacht auf einer schönen
Wiese ist der Morgen eher deprimierend. Alles ist klamm, vorn im
Wohnwagen steht etwas Wasser, wahrscheinlich vom Wind durch die
Luftschlitze gedrückt, dazu ist noch ein Hinterreifen am Auto platt.
Wenig später finden wir in Marijampole mit der Hilfe netter
Einheimischer schnell einen Reifenexperten, der nicht lang fackelt.
Statt mir ein Sonderangebot für einen Satz Neureifen zu unterbreiten,
nimmt er mir das Rad aus der Hand und macht sich ans Flicken. Im Nu
liegt das Reserverad wieder im Kofferraum und wir fahren nach Trakai.
Das kleine Schlösschen besichtigen wir bei strömendem Regen. Unser
Nachtplatz ist diesmal, fast etwas zu abgelegen, an einer holprigen
Piste direkt an einem kleinen See bei Trakai. Es hätte auch einen
ruhigen Parkplatz gegeben, doch haben wir mittlerweile einen Ehrgeiz
entwickelt, reizvolle Plätze für die Nacht zu finden – jedenfalls sofern
es noch nicht stockdunkel ist
.Vilnius besuchen wir von hier auf
einem Tagesausflug, bevor wir nach Kaunas fahren. Dort kommen wir bei
Freunden von Freunden unter, was den Aufenthalt nochmal angenehmer
macht.
Litauens heimliche Hauptstadt hatte
ich schon mehrmals durchfahren und sehe nun, was ich bisher verpasst
hatte. Eine lange Flaniermeile zieht sich durch die Stadt, an jeder Ecke
gibt es etwas zu sehen oder zu essen. Abends sitzen wir gemeinsam im
Garten und genießen die litauische Braukunst.
 |
 |
Von Kaunas aus fahren wir ohne
rechten Plan gen Norden, nur die zahlreichen Baustellen bremsen die
Fahrt etwas und wir erreichen am späten Nachmittag bereits die
lettisch-russische Grenze. Die Schlange ist lang und es herrscht reges
Vordrängeln unter vielen Leuten, die sich gut zu kennen scheinen.
Wahrscheinlich ist die Grenzfahrerei ihre Lebensgrundlage. Ein Mann aus
Moskau, der mit seinen Söhnen unterwegs ist, regt sich lautstark darüber
auf, einige Stunden später stellt er sich selbst erfolgreich ganz vorn
an. Die meisten warten jedoch geduldig. Um mich abzureagieren gehe ich
etwas spazieren und komme mit Russlanddeutschen ins Gespräch. So vergeht
die Zeit auch etwas schneller. Gegen Abend bewegt sich fast zwei Stunden
gar nichts, dann fährt die lettische Polizei vorbei und schreibt eine
Liste der wartenden Autos. Danach wird wenigstens nicht mehr gedrängelt.
Nach neun Stunden Wartezeit werden wir endlich auf das
Abfertigungsgelände gelassen. Ein junger Mann, dessen Gesicht aussieht
wie das eines plattgewalzten Schweines, kontrolliert uns, als ich sein
Lettisch nicht verstehe, zieht er Grimassen und äfft mich nach.
Auf russischer Seite geht es zwar
freundlicher zu, dafür erwartet uns ein bürokratischer Akt, der
seinesgleichen sucht. Alle Grenzer, die naturgemäß mit Ausländern zu tun
haben müssen, sprechen nur Russisch. Bei dieser Personalpolitik machen
bestimmt Taubstumme den Telefondienst. Die ältere Grenzerin, die unsere
temporäre Autoeinfuhr absegnen soll, hat ihre Ausbildung wohl noch in
der Sowjetunion gemacht und seitdem nichts vergessen und nichts
dazugelernt. Zwar übersetzt ein russlanddeutscher Familienvater für
mich, doch sind die Beanstandungen der Deklarationsformulare teils so
absurd, dass auch er mehrmals nachfragen muss. Zwischendurch kommen
mehrere Reisebusse, für deren bevorzugte Abfertigung die Dame
buchstäblich den Stift fallen lässt. In der Warteschlange scheint
derweil wieder Stillstand zu herrschen, denn es kommt in den ganzen
Stunden niemand mehr nach. Am Ende werden die zuvor beanstandeten
Passagen im Formular mit dem Ausdruck des Zollcomputers überklebt.
Stefanie schläft derweil ungestört im Auto und wird erst bei der
Fahrzeugkontrolle geweckt. Am letzten Schlagbaum wird noch eine
Straßengebühr fällig, für die es sogar eine Quittung gibt – nach
insgesamt zwölf Stunden an der Grenze sind wir wieder in Russland. In
entgegengesetzter Richtung wartet eine Menschentraube auf die Ausreise,
offensichtlich ist bald wieder Schichtwechsel und man will die Arbeit
sicherheitshalber den Kollegen überlassen.
Nach einigen Kilometern sehen wir
einen großen geteerten Platz neben der Straße, wo wir uns erst einmal
ausschlafen. Wir sind gespannt auf das kleine Stückchen „echtes“
Russland, das nun vor uns liegt.
Die ersten russischen Kilometer
sind ruhig, für die meisten Russen ist die Straße in Richtung EU eine
Sackgasse.
Schnell sind wir in Pskov, wo es
uns auf Anhieb gefällt, in einem kleinen Café essen wir ein paar Blini
mit Fisch und spazieren dann durch die Stadt, die zu eine der ältesten
Russlands zählt – ein paar schöne Gebäude, ein paar Straßen und ein Park
zum Flanieren, das ganze wird durch den Fluss Pskova, der ganz in der
Nähe in den Pskover See mündet, durchzogen. Beim Stadtrundgang sehen wir
auch mehrere Verkehrsunfälle, was daran liegen könnte, dass es schon
wieder regnet und der Asphalt dadurch erstaunlich glatt wird, viele
Straßen sind auch gepflastert.
Weiter geht es durch die
weitläufige, sumpfige Landschaft. Die ganze Gegend ist wesentlich
ordentlicher als das Kaliningrader Gebiet, entgegen aller Warnungen von
Russlanderfahrenen sind auch die Straßen ziemlich gut, offensichtlich
wurde in den letzten Jahren erheblich in das Verkehrsnetz investiert. Je
mehr wir uns St. Petersburg nähern, desto dichter wird der Verkehr und
desto seltener werden angenehme Übernachtungsmöglichkeiten. Die meisten
Plätze entlang der Straße sind völlig zugemüllt, laut ist es sowieso. Um
dennoch eine ruhige Nacht zu verbringen, biegen wir kurz vor dem äußeren
Autobahnring von der Hauptstraße ab, durchfahren ein Dorf und finden
einen wunderbaren Platz neben einem kleinen Friedhof, leicht erhöht mit
Blick übers Land. In der Abenddämmerung hängen Nebelschwaden über den
Feldern – eigentlich eine schöne Kulisse für einen Horrorfilm oder
einfach einen angenehmen Abend.
  |
Der Verkehr in St. Petersburg ist
zwar dicht, aber weder aggressiv noch sonst unangenehm. Das von uns
anvisierte Hotel mit Campingmöglichkeit ist gar nicht so leicht zu
finden. Nach ein paar Runden um den Block, wir wollen die Suche gerade
aufgeben, entdecken wir doch noch ein kleines Schild in kyrillischer
Schreibschrift, das den Weg zum Hotel weist. Wie ein kleines Schlösschen
steht es mitten zwischen grauen Häuserblocks.
  |
Ins Zentrum fahren wir mit der
Metro. Da es endlich einmal nicht regnet, verzichten wir auf
Museumsbesuche und treiben uns einfach in der Stadt herum. Zu Fuß stößt
man dabei durchaus an seine Grenzen, denn schon das hübsche Zentrum ist
riesig. Eigentlich wollten wir selbst kochen, schließlich sind wir
statistisch in einer der teuersten Städte der Welt, doch gibt es selbst
in den Bistros am Nevski-Prospekt erstaunlich günstiges Essen.
Die Stadt lebt bis in die Nacht hinein, die Geschäfte schließen spät,
die Straßen, Bürgersteige und Parks sind voll.
Auch am Bahnhof wird in größeren Dimensionen gearbeitet – es gibt
durchgehende Züge in viele Gegenden der ehemaligen Sowjetunion, oft mit
Fahrzeiten von weit mehr als 100 Stunden. Der Bahnhof mit seinen Läden
für allen erdenklichen Reisebedarf, ist ein kleiner Stadtteil für sich.
Als wir uns aus dem Petersburger
Stadtgebiet heraus gebissen haben, fahren wir entlang der Küste nach
Peterhof, wo wir direkt vor dem Eingang parken dürfen. Den ganzen
Nachmittag verbringen wir in den riesigen Gartenanlagen, am Ende fehlt
die Zeit, noch das Schlösschen zu besichtigen. Da wir schon etwas müde
sind, ist uns das eigentlich ganz recht und wir verschieben die
Besichtigung auf den nächsten Besuch.
  |
Die Straße zur Grenzstadt Ivangorod
ist stellenweise ziemlich holprig und an jeder Ecke steht Polizei. Zum
Glück wird man meist von entgegenkommenden Autofahrern gewarnt. Betätigt
man selbst einmal die Lichthupe bedanken sich die entgegenkommenden
Autofahrer.
Am Ortseingang Ivangorod führt eine
kleine Unachtsamkeit zu einer kleinen Verzögerung. Als ich gerade dabei
bin, das Auto noch einmal vollzutanken, kommt ein Polizist, der leider
etwas Englisch spricht, und kontrolliert die Papiere, was im Grenzgebiet
nicht ungewöhnlich ist, doch redet er plötzlich von einer Linie, die ich
beim Auffahren auf das Tankstellengelände überfahren hatte. Ich soll ihm
auf die Wache folgen, die in einer Baracke am Straßenrand untergebracht
ist. Es stinkt nach Schimmel, Alkohol und ungepflegten Zähnen. Mir wird
klargemacht, dass ich mich eines schlimmen Vergehens schuldig gemacht
habe, mein Führerschein muss leider für ein halbes Jahr eingezogen
werden, dazu kommt eine schwere Geldstrafe auf mich zu. Die Männer
kramen sogar den Bußgeldkatalog und ein Übersetzungsbuch hervor und
zeigen auf mehrere Vorwürfe. Am besten gefällt mir „Schwere
Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr“ komisch, es war doch gar kein
anderes Auto in Sicht! Über die deutsche Übersetzung rege ich mich
lautstark auf, biete dann in aller Ruhe an, meinen internationalen
Führerschein dazulassen und meine Frau bis zur Grenze ans Steuer zu
setzen. In der nächsten Stunde werde ich öfter belehrt, dass ich ein „big
problem“ habe, das ich mir selbst eingebrockt habe und gefragt, wie ich
es lösen möchte, dabei werden immer wieder theatralisch die
Fahrzeugpapiere durchgefleddert und sie erinnern mich daran, dass ich in
Russland bin, wo Linien noch etwas zählen. Antworten gebe ich keine
mehr, rege mich nur hin und wieder künstlich auf oder erzähle einen
Schwank aus meinem armseligen Leben. Von selbst möchte ich kein
Schmiergeld anbieten. Untereinander reden sie über Beträge zwischen 100
und 1000 Rubel und irgendwelche Protokolle. Wenn ich Lust habe, verstehe
ich ja durchaus ein wenig Russisch. Nachdem der Wortführer mich noch
nach Bier gefragt und mich zu meiner schönen Autonummer beglückwünscht
hat, lassen sie mich gehen. Grinsend verabschiede ich mich – auf
Russisch natürlich.
Im Auto wartet die nächste Standpauke auf mich. „Hab ich mir doch
gedacht, dass wir hier ewig stehen, da du wieder nicht nachgeben
konntest!“.
Immerhin bleibt es bei stolzen 0,00€ gezahltem Schmiergeld – alle Reisen
berücksichtigt. Der Satz „big problem“ bleibt noch lange Zeit unser
Runnning Gag für überfahrene Linien.
Kurz darauf haben wir die letzten
Rubel im Supermarkt ausgegeben und reihen uns in die lange Schlange an
der Grenze ein. Hinter uns warten drei junge Russen, die auf dem Weg in
den Spanienurlaub sind. Es geht schnell voran, die Kontrolle verläuft
ungewohnt effizient. Da es schon längst dunkel ist, fahren wir nach der
Grenze den nächstbesten Parkplatz an.
Weiter geht es nach Tallinn.
Estlands Hauptstadt hat sich zu einem starken Touristenmagneten
entwickelt, an den Aussichtspunkten ist das Gedränge groß und an jeder
Ecke wird man angesprochen, ob man nicht etwas essen oder eine
Stadtrundfahrt machen möchte. Am Rathausplatz gibt es nur noch
Restaurants, wenn ich mich recht erinnere, war hier vor einigen Jahren
sogar noch ein großes Informationsbüro in bester Lage. Zwischen den
gutbetuchten Reisenden, die in den zentralen Lokalen mittelalterlich bis
modern speisen, taumeln nur noch einige wenige Alkoholtouristen. Die
Schönheit der Stadt ist aber dennoch unübersehbar. Die Veränderungen der
letzten Jahre sind enorm, Tallinn wirkt moderner als manche
westeuropäische Großstadt.
Da wir bereits von Vilnius aus
leichtsinnigerweise ein Ticket für die Fähre nach Deutschland gebucht
haben, drängt mittlerweile die Zeit. Von Großstädten haben wir erst mal
genug und fahren ins lettische Kuldiga, ein schmuckes kleines Städtchen,
neben dem der längste Wasserfall Europas rauscht. Dieser wird als
Naturschwimmbad genutzt, für uns ist das Bad im Wasserfall klar die
Hauptattraktion des Ortes.
Abends sind die Straßen wie
ausgestorben und wir übernachten auf einem Parkplatz mitten im Ort.
Für den Rest der Zeit im Baltikum
lassen wir uns nahe der litauischen Grenze direkt an der Ostseeküste
nieder. Während wir tags zuvor noch in einem Wasserfall gebadet hatten,
baden wir nun in meterhohen Wellen – ungewöhnlich hoch für die Ostsee.
Auch die kurische Nehrung besuchen wir von hier aus. Als wir durch die
überfüllten litauischen Badeorte fahren und später auf der Nehrung die
Preise für Gespanne lesen, bereuen wir diese Trägheitsentscheidung
nicht.
Den Tag der Abreise verbringen wir
in Klaipeda, das in den letzten Jahren auch an Glanz gewonnen hat. Dann
geht es aufs Schiff, das uns einen Tag später entspannt und glücklich in
Kiel absetzt.
Reiseinformationen
Russland:
Bürokratie:
Für die Einreise ist ein Reisepass und ein Visum erforderlich, das man
in Deutschland problemlos über einen Visadienst beschaffen kann. Je nach
dem welches Büro man beauftragt, kostet dies insgesamt ca. 60 - 70 €.
Das Touristenvisum gilt je nach Antrag für die 1 oder 2-malige Einreise
innerhalb eines festgelegten Zeitraums von bis zu 30 Tagen.
Für die Beantragung des Visums ist eine Reisekrankenversicherung
erforderlich, die bei einer von der russischen Botschaft anerkannten
Versicherungsgesellschaft abgeschlossen sein muss.
An der Grenze muss eine Migrationskarte ausgefüllt werden, von der ein
Abschnitt im Reisepass verbleibt. Dieser ist bei der Ausreise wieder
abzugeben.
Hält man sich länger als 3 Tage an einem Ort im Land auf, muss man sich
dort registrieren. Dies übernimmt im Regelfall das Hotel.
Für das Auto ist die nationale Zulassung ausreichend.
An der Grenze ist das Fahrzeug auf der Zollerklärung anzugeben. Das
Formular ist zweifach auszufüllen, ein Exemplar verbleibt beim Zoll, das
andere ist bei der Ausreise wieder abzugeben. Ein Aufkleber auf der
Zollerklärung quittiert die Deklaration und gibt die maximale
Aufenthaltsdauer für das Fahrzeug an.
Für einen Anhänger sind die Formulare separat auszufüllen.
Die Formulare waren auf Nachfrage auch in englischer Sprache erhältlich.
Falls dies einmal nicht der Fall sein sollte, hilft eine mitgebrachte
Übersetzung: declaration.pdf
Wenn man mit einem fremden Auto reist, sollte man sich beim ADAC eine
Vollmacht ausfüllen und beglaubigen zu lassen. Dies gilt auch, wenn
Halter und Fahrer den gleichen Nachnamen haben.
Die Vollmacht wurde bei jedem Grenzübertritt verlangt und anstandslos
anerkannt.
Der nationale EU-Kartenführerschein wurde anstandslos anerkannt.
Ein internationaler Führerschein könnte dennoch nützlich sein, da er
eine russische Übersetzung beinhaltet. Er ist bei der Führerscheinstelle
am Hauptwohnsitz für ca. 15€ erhältlich. Hierfür sind ein Lichtbild
und die Vorlage des EU-Kartenführerscheins erforderlich.
Russland erkennt mittlerweile die grüne Versicherungskarte an, wenn das
Kürzel „RUS“ vorhanden und nicht durchgestrichen ist. Es erforderte
etwas Hartnäckigkeit, die Versicherung zur Ausstellung einer sehr kurz
befristeten Karte zu bewegen. Verlangt wurde sie bei der Einreise in das
Kaliningrader Gebiet sowie bei einer Verkehrskontrolle.
Für einen Anhänger muss eine eigene Versicherungskarte vorgelegt werden.
Bei der Grenzabfertigung fielen keine Kosten an, am Grenzübergang
Ubylinka (E 262) wurde eine Straßennutzungsgebühr erhoben. Die Zahlung
wurde quittiert.
Tanken
Die meisten Tankstellen bieten 80, 92 und 95 ROZ Benzin, sowie Diesel
an. Seltener auch 98 ROZ, „Eurosuper“ oder Autogas (Газ / LPG). Beim
Autogas Tanken benötigt man den Dish-Adapter.
Es ist zu bedenken, dass das russische Benzin bleihaltig sein könnte und
die meisten modernen Motoren das 80 ROZ Benzin nicht vertragen.
Beim Tanken muss man meist vorher die gewünschte Literzahl angeben und
bezahlen. Häufig kann man auch einen großen Schein an der Kasse
hinterlegen und sich das Restgeld nach dem Tanken auszahlen lassen.
Straßen:
Innerhalb der Ortschaften ist der Straßenzustand oft katastrophal
(kaputtes Kopfsteinpflaster, tiefe Schlaglöcher). Die Landstraßen sind
OK und wenig befahren. Augen auf – für Schlaglöcher gibt es hier keine
Warnschilder.
Es empfiehlt sich, sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen und
besonders die Stoppschilder vor den (meist unbeschrankten!)
Bahnübergängen zu halten.
Die
Ausschilderung ist außerhalb der Ortschaften gut, innerorts gibt es
jedoch fast nie Fernwegweiser. Nahezu alle Schilder sind nur im
kyrillischen Alphabet geschrieben. Dies sollte man unbedingt vorher
lernen.
Polizei:
Kontrollen sind
an den Landstraßen häufig. Meist wird per Laserpistole die
Geschwindigkeit gemessen. Solange man sich an die Verkehrsregeln hält,
wird man normalerweise in Ruhe gelassen.
Viele Informationsseiten im Netz empfehlen, den Polizisten sofort nach
der Höhe der Strafe zu fragen und die Zahlung ohne Quittung anzubieten,
um schnell weiterzukommen. Ich persönlich biete keine Schmiergelder an
und überhöre Zahlungswünsche. Damit dauert ein Stopp vielleicht etwas
länger, bleibt jedoch kostenlos und man riskiert nicht noch einen
Bestechungsvorwurf.
Vor Polizeikontrollen wird man meist per Lichthupe gewarnt, man sollte
sich jedoch nicht darauf verlassen.
Geld:
Währung ist der
Rubel. Man bekommt problemlos Geld am Automaten. Eine Devisenerklärung
wird bei der Einreise nur noch für große Beträge verlangt.
Schlafen:
Wildcamping war
kein Problem.
In St.
Petersburg nutzten wir den Stellplatz am Hotel Elizar.
http://elizar-hotel.ru/eng/
Es befindet sich
in ruhiger Lage in einem Hinterhof. Camping mit dem Wohnmobil oder
Caravan ist auf dem eingezäunten Parkplatz möglich. Stromanschluss ist
vorhanden, saubere Sanitäranlagen befinden sich in einem Container.
Abwasserentsorgung und Frischwasserauffüllen ist ebenfalls möglich.
Litauen und
Polen
Für aktuelle und
ausführliche Informationen zu Litauen und zum Transit durch Polen
empfehle ich:
http://www.litauen-urlaub.de.tl/
|
|
|